03.08.2016

Master-Studierende aus Bayreuth diskutieren Fragen zu Politik und Freiheit bei internationaler Spring School am Indira Gandhi Institute of Development Research in Mumbai, Indien


Die Wissenschaftsstiftung Oberfranken fördert die Teilnahme von Bayreuther Studierenden an der Interdisziplinären Spring School in Mumbai/Indien. Der Bayreuther Master-Studiengang „Philosophie & Economics“ hat die Veranstaltung zum Thema „Individual Choices and Collective Decisions“ im Mai 2016 gemeinsam mit holländischen und indischen Partnern organisiert. Die Förderung war möglich Dank einer Spende der Firma PEMA, Weißenstadt, an die Wissenschaftsstiftung Oberfranken. Die Studierenden und Professor Dr. Mathew Braham bedankten sich bei einem Besuch in Weißenstadt bei PEMA und der Wissenschaftsstiftung Oberfranken.


“Armchair” Wissenschaft – der Versuch die Welt zu begreifen, aus dem eigenen gemütlichen Sessel heraus. Genau das wird man nicht von sich behaupten müssen, wenn man Philosophy & Economics (P&E) an der Universität Bayreuth studiert.

12 Studierende aus dem P&E Master nahmen zwischen 14.-21 Mai 2016 an einer einwöchigen, internationalen Spring School am Indira Gandhi Institute of Development Research (IGIDR) in Mumbai, Indien teil. Gefördert wurde der Forschungsaufenthalt der Studierenden von der Wissenschaftsstiftung Oberfranken und PEMA, sowie dem IGIDR. Der Titel des Workshops lautete “Individual Choice and Collective Decisions.” Inhalt waren gesellschaftliche Themen aus den Blickwinkeln der Philosophie, Mikroökonomie und Politik.

Die Spring School wurde gemeinsam mit dem J.S. Mill College der VU Amsterdam und dem IGIDR organisiert. Insgesamt trafen sich über 50 Master- und Promotionsstudierende aus den Bereichen Ökonomie, Recht und Philosophie aus Deutschland, den Niederlanden und ganz Indien. Dass an dem bereits in den vergangenen Jahren durchgeführte PPE Workshop (Philosphie, Politik, Wirtschaft), in diesem Jahr erstmals auch internationale Studierende teilnehmen konnten, wurde durch das Engagement des Bayreuther P&E-Studiengangsmoderators Prof. Dr. Matthew Braham und seinen Kollegen aus Amsterdam und Indien ermöglicht.

Was passiert aber, wenn man einen Workshop dieser Größe und Thematik gerade in Mumbai anbietet – einer der in vielerlei Hinsicht herausragenden Städte Indiens und weltweit? Man ermöglicht den Studierenden eine einmalige Erfahrung und einen intensiven internationalen Austausch. Themen, wie „Politik und Freiheit“, Fragen zur „Öffentlichen Ordnung“ und Methoden der „Sozialwahltheorie“ erscheinen in ganz neuem Licht – einerseits weil sie von einer jungen Gruppe Wissenschaftler mit diversem Hintergrund beleuchtet werden, andererseits, weil sie vor einem bisher unbekannten Umfeld erscheinen:

Mumbai ist eine der größten Metropolregionen weltweit. Die Stadt platzt scheinbar aus allen Nähten. Die Sicht auf bunte Stoffe und reife Mangos wird getrübt durch Smog und Rauch, das Gehör dominiert vom hitzigen, immerzu laut wallenden Verkehr. Nach der Landung, führt der Weg zum Institut von einem der luxuriösesten Flughäfen der Welt durch die ärmsten Slums – der erste Moment der Überwältigung wird nicht nur von der sengenden Hitze verursacht sondern von harter Lebensrealität. Natürlich betritt man dann die Vorlesungen zu den einzelnen Themen mit einer ganz anderen emotionalen Befangenheit und den neu aufgenommenen Bildern im Hinterkopf. Später, bei der Vorbereitung der Gruppenpräsentation in international gemischten Teams, lebt die Qualität der Bearbeitung der verschiedenen und selbst gewählten Themen von den Erfahrungen, die man am Vorabend auf den Straßen gemacht hat.

Nach zahlreichen Tagen an denen man sich zwischen intensiven Vorlesungen, Curry zu allen Tageszeiten und waghalsigen Rikscha-Fahrten bewegte, wurde der letzte Workshop-Tag ganz den acht studentischen Gruppenpräsentationen gewidmet. Die Themen der Vorträge spannten sich von Nahrungsmittelversorgung in Entwicklungsländern aus philosophischer und ökonomischer Sicht, über die Problematik vom Verbot der homosexuellen Ehe in Indien, bis hin zu der Frage, ob es überhaupt möglich ist eine Verantwortung gegenüber einem Planeten zu haben. Die einzelnen Gruppen kamen zu durchaus überraschenden Analyseergebnissen, die zum Reflektieren über bestehende Zustände anregen. Die Master-Studierenden aus Bayreuth werden sich auch nach der Rückkehr weiterhin mit dem Inhalten und aufgeworfenen Problematiken auseinandersetzen und am Ende des Semesters wissenschaftliche Artikel zu den unterschiedlichen Themen verfassen.

Das Seminar ist Teil des integrativen Teils des P&E Studiums, das aktuelle Probleme und Fragestellungen der Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts zugleich aus philosophischer und ökonomischer Sicht betrachtet. Ein Ansatz, bei dem man den Armsessel verlässt, um Handlungsorientierung und Lösungskompetenz aus multiplen Perspektiven zu entfalten.

Die Studierenden sind mehr als glücklich über die ihnen gegebene Möglichkeit zur Teilnahme an der spannenden Studienreise und werden gewiss noch lange bei dem einen oder anderen Bier am Abend an die zahlreichen Erlebnisse zurückdenken.

Mariam Haydeyan, Masterstudierende P&E Bayreuth


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